Im Vergleich zu den weit verbreiteten, gut kristallisierten, durchsichtigen Vertretern seiner Art, ist derber Fluorit ein wenig beachtetes Mineral. Sein relativ unscheinbares und "untypisches" Aussehen, führt oft dazu, dass er mit anderen Mineralen verwechselt wird.

Viele dieser derben Fluorite sind sehr wasserhaltig und werden deshalb als Hydro-Fluorit bezeichnet. (Hydro-) Fluorit (CaF2 x H2O) hat eine Härte von 4 auf der Mohs'schen Härteskala und eine Dichte von 3,1 - 3,3. Die häufigste Variante kommt in violetter Farbe vor. 

Jadeimitation Hydrofluorit

Hydrofluorit als »Lavendeljade« Imitation

Foto: EPI

Hydrofluorit alias »Lavendeljade«

Kompakter, wasserhaltiger, violetter Hydrofluorit wird häufig fälschlicherweise als »Lavendel-Jade« angeboten.

Im Unterschied zur echten, violetten »Lavendel-Jade«, die entweder aus Jadeit oder dem jadeithaltigen, violetten Gestein Metagranitoid aus der Türkei besteht, besitzt die violette Fluoritvarietät eine faserige Struktur.

Darüber hinaus  hat sie eine deutlich geringere Mohs-Härte (H: 4) im Vergleich zu Jadeit (H: 6). Fluorit kann mit einem Küchenmesser aus Edelstahl gut erkennbar geritzt werden. Jadeit hingegen kann mit einem Küchenmesser nicht geritzt werden.

 

Hydrofluorit alias »Chevron-Amethyst

Hydrofluorit alias »Chevron-Amethyst«

Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de

Hydrofluorit alias (Chevron-) Amethyst

 Hydrofluorit kann gelegentlich auch weiße Bänder besitzen. Violette Exemplare mit solchen weißen Bändern werden oft mit Amethyst verwechselt, vor allem mit dessen derber Varietät »Chevron-Amethyst«.

Eine Unterscheidung ist möglich anhand der geringeren Dichte von Quarz (2,65 - 2,68) und der größeren Härte von 7, die es erlaubt Glas zu ritzen. Mit einem Fluorit wird dies nicht gelingen.
Bei Rohstücken kann auch der glatte, spätige Bruch von Fluorit zur Identifizierung herangezogen werden, da Quarze stets muschelig brechen.

 

grüner Hydrofluorit

Dieser angebliche "Fluor-Chrysopras" erwieß sich als derber Fluorit

Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de

Hydrofluorit alias Chrysopras

Grüner, durchscheinender (Hydro-) Fluorit kann den Chalcedonvarietäten »Chrysopras«, Chrom-Chalcedon und »Prasem« ähneln. Alle drei können anhand ihrer höheren Mohshärte (H: 7) von Fluorit (H: 4) unterschieden werden.

Dem EPI-Labor wurde vor einiger Zeit ein grünes Gestein vorgelegt, dessen Namen mit "Fluor-Chrysopras" angegeben wurde. Entsprechend den mineralogischen Nomenklatur-Regeln müsste es sich bei Fluor-Chrysopras um eine Chalcedon-Varietät handeln, die die Elemente Nickel (farbgebendes Element des Chrysopras) und Fluor enthält.

Bei den untersuchten Exemplaren zeigte sich unter dem Mikroskop nicht die erwartete faserige Struktur eines Chalcedons, sondern eine eher körnige Zusammensetzung. Gut erkennbare Spaltrisse deuteten auf eine sehr gute Spaltbarkeit hin. Auch die hohe Dichte von 2,9 - 3,1 passte nicht auf Chrysopras, dessen Dichte bei 2,6 - 2,7 liegt. Auf einer polierten Fläche konnte eine Lichtbrechung von 1,45 bestimmt werden, ein Wert, der nicht zu Chalcedon passt, sondern eher zu Fluorit.

Um die genaue Mineralzusammensetzung und den Elementgehalt zu bestimmen, wurde von dem Material ein mineralogischer Dünnschliff angefertigt und eine Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) durchgeführt. Diese Dünnschliffanalyse zeigte eindeutig, dass neben Fluorit und den Resten von zersetzten Feldspäten nur grob kristallisierter Quarz - jedoch kein Chalcedon - vorhanden ist. Die Spurenelementanalyse (RFA) ergab keinen messbaren Gehalt an Nickel.

Nach diesen Analyseergebnissen hatten wir hier ein interessantes Beispiel für einen grünen (Hydro-) Fluorit.

 

Fazit

Fluorit ist im Zweifelsfalle relativ einfach anhand seiner geringen Härte von "Jade", Quarz oder Chalcedon unterscheidbar. Eine einfache Ritzprobe mit einem Messer hinterlässt auf einem Fluorit eine tiefe Kerbe. Vertreter der Quarzfamilie hingegen bleiben bei diesem Test unversehrt.

 

Autor: Dipl.-Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 2021

 

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