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Start Themen Jade und ihre Imitationen

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Die unendliche Geschichte der Fälschungen und Imitationen

Zähigkeit von MineralenDie efinition des Begriffs "Jade" wird seit Jahrhunderten sehr kontrovers diskutiert. In China ist Jade schon seit mindestens 5000 Jahren in Gebrauch. Wegen seiner ganz besonderen Eigenschaft, so zäh und widerstandsfähig zu sein, wie kein anderes damals bekanntes Material (siehe Tabelle rechts) lies es sich gut für Werkzeuge und Waffen benutzen. Experten konnten es am Klang erkennen, wenn man es aneinander schlug und an der Art wie sich seine Oberfläche anfühlte.

Mit der Zeit wurde das Material auch für Kunstobjekte (Vasen, Figuren) entdeckt und es begann sich ein regelrechter Kult um die Jade zu entwickeln. Kunstgegenstände und Jadeschmuck galten als Glücksbringer und waren sehr begehrt. Bestimmt gab es auch damals schon Imitationen, aber erst im 18. Jahrhundert kam DIE Jade-Imitation aus Burma auf den Markt, die den chinesischen Jadehandel richtig durcheinander wirbelte.

Das neue Material war optisch deutlich ansprechender als die bisher gehandelte Jade, leider aber auch etwas spröder. Sie wurde zunächst fei-ts'ui ("Nicht-Jade") genannt, allmählich begannen die Unterscheidungen aber zu verschwimmen. Erst als Wissenschaftler im 19. Jahrhundert die chemische Zusammensetzung dessen untersuchten, was zu dieser Zeit in China als Jade gehandelt wurde, wurde entdeckt, das zwei völlig verschiedene Minerale auf dem Markt waren. Ähnliches war in der Vergangenheit schon öfters passiert . Man denke nur an den Begriff "Karfunkel", der nicht mehr benutzt wurde, als klar wurde, dass unter diesem Namen Rubin, roter Spinell, roter Granat, roter Turmalin usw. gehandelt wurden. Jedes rote Mineral bekam einen eigenen Namen und der Oberbegriff verschwand. Nicht so bei der Jade. Dort blieb der Begriff "Jade" bis heute erhalten.

Jade ist deshalb kein Mineralname, sondern ein Begriff für zwei verschiedene Minerale, deren Gemeinsamkeit ihre enorme Zähigkeit ist: Jadeit und Nephrit (einer Varietät des Minerals Aktinolith). Beide müssen als Aggregate, d.h. in Form kleinster verzahnter Körner oder verfilzter Fasern vorliegen, um als Jade bezeichnet werden zu können. Bei Jadeit ist das kein Problem, weil er nur sehr selten regelrechte Kristalle bildet. Bei Nephrit ist das etwas anders.

Nephrit-Jade

"Nephrit" ist eine Varietätsbezeichnung für Mineralen aus der Tremolit-Aktinolith Mischkristallreihe, die als feine, miteinander verfilzte Fasern vorliegen müssen, um als Jade zu gelten. Darin unterscheiden sie sich z.B. vom kristallinen grünen Aktinolith und dem grauen Tremolit. Die durch Chrom und Eisen verursachte Farbe des Nephrits reicht von graugrün über dunkelgrün bis fast schwarz, kann aber auch ins rotbraune gehen.

Bei Nephrit gibt es keine spezielle Qualitätsgraduierung wie bei Jadeit, (siehe dort) er kann jedoch ähnlich manipuliert sein. Hier ist vor allem das Bleichen und das Versiegeln von Rissen hervorzuheben.

Jadeit-Jade

Jadeit ist ein Mineral aus der Familie der Pyroxene. Das wichtigste Merkmal dieser Varietäten ist ihre innere Struktur. Nur wenn sie in Form kleinster verzahnter Körner vorliegen und dadurch eine große Zähigkeit erlangen, werden sie als Jade bezeichnet.

Die begehrteste Farbe von Jadeit-Jade ist ein durch Chrom verursachtes smaragdgrün. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Farbvarietäten wie weiß, schwarz, gelb, rosa, rot, braun, und rotviolett ("Lavendeljade"), die jedoch eher zu den Exoten zählen.

Grüner Jadeit kommt in 3 Qualitätsstufen auf den Markt: Die beste Qualität wird als "Imperial Jade" oder Grade A-Jade (kurz: A-Jade) bezeichnet. Sie besitzt ein kräftige smaragdgrüne Farbe und ist durchscheinend. "B-Jade" wird in starken Säuren gekocht, um Verunreinigungen (z.B. Eisenoxide) aus den Rissen zu entfernen, die anschließend mit Wachs oder Kunstharz versiegelt werden. "C-Jade" ist wie B-Jade behandelt und zusätzlich noch grün gefärbt.

Maw-sit-sit

"Maw-sit-sit" ist ein jadeithaltiges Gestein aus Burma (Myanmar). Der Name leitet sich ab von einer Lokalbezeichnung aus seinem Fundgebiet in der Umgebung von Tawmaw. Das Gestein besteht aus einer Grundmasse aus hellen Gemengteilen (vor allem Albit, aber auch Zeolithe und Chlorit), in der zahlreiche dunkle Bestandteile, vor allem Mischkristalle der Jadeit-Kosmochlor Reihe von intensiv grüner Farbe, auftreten. Sie können sowohl größere Einzelkristalle oder ein blockiges Mosaik bilden. Dazwischen liegen immer wieder schwarze Nester von feinfilzigem Kosmochlor einem Chrom-Analogon zu Jadeit. Im Zentrum der Kosmochlornester, findet sich oft metallisch glänzender Chromit in Form kleiner Restkörner. Darüber hinaus bildeten sich gröbere Kristalle von grauer bis grüner Färbung aus Amphibolen bzw. Chrom-Amphibolen. Maw-sit-sit wird als eigenständige Jadevarietät angesehen.

Ursprünglich wurde dieses Gestein als "Jadealbit" bezeichnet. Im Laufe der Jahre wurde jedoch mehr und mehr Maw-sit-sit angeboten, dessen Albitanteil kontinuierlich zurück ging. Deshalb gilt die Bezeichnung Jadealbit heute als veraltet. Auch er Name "Chloromelanit", der hin und wieder als Synonym für Maw-Sit-Sit verwendet wird, ist heute unüblich. Da der Name früher für eine ganze Anzahl von verschiedenen grünen Gesteinen mit unklaren und oft widersprüchlichen Beschreibungen vergeben wurde, sollte der Begriff heutzutage nicht mehr verwendet werden.

 

Imitationen

JadeimitationenDie komplizierten Zusammenhänge zwischen den unter dem Begriff Jade zusammengefassten Mineralen und Eigenschaften öffnen "Interpretationen" ein weites Feld. Ein Großteil der im Handel angebotenen Jade ist heutzutage weder Jadeit noch Nephrit, sondern besteht aus ganz anderen Mineralien (siehe Tabelle rechts). Man gewinnt den Eindruck, dass alles was grün und undurchsichtig ist, als "Jade" bezeichnet wird. Immer wieder wird versucht neue Minerale unter diesem Begriff unterzubringen.

Am besten gelingt das derzeit mit dem Mineral Serpentin. Dieses als "China Jade" oder "Neue Jade" angebotene Material sieht nicht nur aus wie Jade, es kommt in manchen Lagerstätten auch zusammen mit Nephrit und Jadeit vor.

Meist ist es zwar viel weicher, seine Varietät Antigorit (früher Bowenit genannt) erreicht aber sogar fast die Härte von Jade. Die Zähigkeit liegt allerdings weit unter der von echter Jade. Sie ist aber immer noch höher, als bei vielen anderen Mineralen (siehe Tabelle oben). Durch die wesentlich leichtere Bearbeitbarkeit ist dieses Mineral in den letzten Jahren zum bevorzugten Jade-Ersatz aufgestiegen. Kunstgegenstände wie Vasen, Schalen, Skulpturen, Qi Gong Kugeln aber auch Schmuck und Ketten: Viele Angebote dieser Art sind derzeit Serpentin und keine Jade.

Weiße, gelbe, rosa oder rote Jade ist selten im Handel. Es handelt sich dabei um Farbvarietäten von Jadeit. Typischerweise werden diese Varietäten gerne imitiert (siehe Tabelle). So z.B. Lavendel Jade durch violett gefärbten weißen Jadeit oder durch Lepidolith (Lithiumglimmer).

Weitere Jade-Imitationen bestehen aus Gläsern, die mit einem speziellen Verfahren "entglast" wurden. Dadurch bekommen sie kleine Einschlüsse und werden trübe bis fast undurchsichtig.

Diese Kunstprodukte werden sehr erfolgreich unter den Handelsnamen "Sibirische Jade", "Metajade", "Victoria Stein", "Iimori Stein" oder "Kinga Stein" vermarktet.

Wer nun denkt, die meisten Jadeimitationen sind hiermit genannt der irrt!
Neben den in der nebenstehenden Tabelle genannten Imitationen mit speziellen Handelsnamen, sind noch eine Vielzahl weitere Mineralien im Rennen um die Gunst der Jadekäufer. Die wichtigsten davon sind: Agalmatolith (ein sehr weiches specksteinartiges Gestein), grüner, undurchsichtiger Fluorit, gefärbter Quarzit und Wollastonit; Saussurit (ein feinkörniges Gemenge aus zahlreichen Verwitterungsmineralen), Sillimanit und Verdit, ein Glimmergestein.

Für all diese Imitationen gilt: Sie können echter Jade sehr ähnlich sehen und sind meist nur durch eine genaue gemmologische Untersuchung zu identifizieren.


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 2008

 

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