Das EPI-Labor ist bis 08. März 2017 geschlossen. Danach sind wir gerne wieder für Sie da.
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Giftige Minerale - 5.0 out of 5 based on 1 vote

Minerale sind auf natürliche Weise auskristallisierte, anorganische chemische Verbindungen. Viele dieser Verbindungen können auch industriell hergestellt werden. Der Verkauf dieser Industrieprodukte unterliegt der Chemikalienabgabeverordnung, die unter Anderem vorschreibt, dass giftige Substanzen gekennzeichnet werden und nur mit einem Sicherheitsdatenblatt versehen in den Handel gelangen dürfen.

Im Mineralienhandel ist ein entsprechendes Vorgehen bisher unüblich, weil Mineralien meist in einer anderen Form vorliegen, als die Industriechemikalien. Abhängig davon, ob sie als pulvrige Überzüge, gut kristallisiert oder als Einschlüsse in Wirtsmineralen vorkommen, entwickeln sie eine unterschiedlich starke Toxizität. Die Substanzen, die in der chemischen Industrie Verwendung finden, sind meist pulverisiert, wodurch sie eine erheblich größere Oberfläche besitzen als die kristallisierten Entsprechungen aus dem Mineralreich. Eine größere Oberfläche bedeutet eine größere Angriffsfläche für Lösungsmittel und damit ein größeres Potential vom menschlichen Körper aufgenommen zu werden.

Ein Gramm eines gut kristallisierten Minerals kann möglicherweise den Magen-Darmtrakt passieren ohne aufgelöst zu werden und Vergiftungserscheinungen hervorzurufen, wohingegen ein Gramm Mineralpulver möglicherweise toxisch wirken kann. Andererseits sind natürliche Mineralien selten so rein wie die Industrieprodukte. Durch eingelagerte Verunreinigungen oder durch Zerfallsprodukte kann es sowohl zu einer besseren Löslichkeit kommen als auch zu einem Aufsummieren der Gefahrenpotentiale der einzelnen vorliegenden chemischen Verbindungen.

Um die potentielle Gefahr, die von einem giftigen oder gesundheitsschädlichen Mineral ausgeht, abschätzen zu können, müssen folgende Faktoren beachtet werden:

1. Exposition

In Abhängigkeit davon, ob giftige Minerale als pulvrige Überzüge, gut kristallisiert oder als Einschlüsse in Wirtsmineralen vorliegen, entwickeln sie eine unterschiedlich starke Toxizität.

2. Resorption.

Der Weg auf dem giftige Stoffe mit dem Körper in Kontakt kommen und von ihm aufgenommen werden, ist entscheidend für ihre Schädigungspotential. Die häufigsten Resorptionswege sind dabei: Haut (giftig beim Berühren), Atmungsorgane (giftig beim Einatmen von Staub - wichtig beim Bearbeiten von Steinen), Magen-Darm-Trakt (giftig beim Verschlucken).

Eclipse / Bumblebee Stone (Calcit mit Arsensulfiden) - 5.0 out of 5 based on 1 vote

 

Die Geschichte dieses als Schmuckstein angebotenen Gesteins ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich Handelsnamen innerhalb weniger Jahre verändern und wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die mineralogische Zusammensetzung immer besser werden.

Kennengelernt haben wir dieses gelb-grau marmorierte Gestein unter dem Handelsnamen "Eclipse". Offenbar fühlte sich der Erfinder dieses Namens bei der Betrachtung des Gesteins an eine Sonnenfinsternis (engl. eclipse = Verdunkelung) erinnert. Erste Veröffentlichungen beschrieben es als "ein mit dünnsten Schichten von Schwefel und Auripigment durchsetzter Aragonit-Sinter aus Bali/Indonesien (NIEDERMAYER 2010). Es stellte sich heraus, dass das Material aus einem Fumarolenfeld nahe der Stadt Garut auf der indonesischen Insel Java stammt (SERRAS-HERMAN 2013).

Der Handelsname "Eclipse" hat sich nicht durchgesetzt. Im englisch sprachigen Raum wird das Gestein als "Bumble Bee Jasper" (dt.: "Hummel-Jaspis") oder "Mustard Jasper" (dt.: "Senf-Jaspis") angeboten.

Untersuchungen des EPI-Labors konnten belegen, dass es sich keineswegs um einen Jaspis handelt, sondern um ein Gestein, das im Wesentlichen aus Calcit besteht. In den grauen Bereichen des Calcits sind winzigen Pyrit-Kriställchen (FeS) eingelagert, die zur dunklen Farbe beitragen. In Untersuchungen der Universität Freiberg konnten in den goldgelben bis orangefarbenen Bereichen das Arsenmineral Realgar (As4S4) nachgewiesen werden, eine Verbindung der Elemente Arsen und Schwefel (Arsensulfid). Das chemisch nahe verwandte Arsenmineral Auripigment (As4S6) konnte hingegen nicht nachgewiesen werden. Das bedeutet nicht, dass es nicht vorhanden ist, es konnte nur nicht nachgewiesen werden. In früheren Publikationen (NIEDERMAYR, G. , 2010) wurde angenommen, dass die gelbe Farbe durch Auripigment hervorgerufen wird, was eigentlich stimmiger wäre, da Auripigment eine gelb-orange Farbe besitzt, wohingegen Realgar eher von rot-oranger Farbe ist. Möglicherweise wird die gelbe Farbe von den anderen Arsensulfiden verursacht, auf deren Vorhandensein die Daten der Universität Freiberg hindeuten, die jedoch nicht explizit bestimmt werden konnten (GÖTZE et al. 2014). Aufgrund dieser Erkenntnisse lautet die vorläufige mineralogische Bezeichnung für dieses Gesteins: REALGAR-CALCIT.

Realgar ist wie alle Arsensulfide unter bestimmten Bedingungen giftig.

Lopezit (Kaliumdichromat) - 4.0 out of 5 based on 1 vote

Lopezit

Lopezit ist ein Mineral, welches das Element Chrom in einer bestimmten Wertigkeitsstufe (*) enthält, das als besonders problematisch bei der Aufnahme oder dem Kontakt mit dem menschlichen Körper und beim Ausbringen in die Umwelt bekannt ist.

Chrom wird vom menschlichen Körper als essentielles Spurenelement benötigt. Die Giftigkeit von Chrom hängt von seiner Wertigkeit (*) ab: Chrom(III)-Verbindungen ("dreiwertiges Chrom") haben eine geringe Toxizität, weil sie vom Körper nur schlecht aufgenommen werden können. Im Gegensatz dazu wirken Chrom(VI)-Verbindungen ("sechswertiges Chrom") - vor allem wenn sie oral (über Mund und Nase) aufgenommen werden - äußerst giftig. Sie sind seit langem als krebserregend und mutagen bekannt und können zu Entzündungen von Augen, Haut und Schleimhäuten sowie zu Geschwüren und Ekzemen führen. Ein chronischer Verlauf kann zu irreversiblen Augenschäden führen.

Die Chrom(VI)-Verbindung Lopezit (Kaliumdichromat, K2Cr2O7) ist im Mineralienhandel meist in Form großer, orangefarbener Kristallstufen erhältlich, die künstlich gezüchtet werden. In dieser Form ist das Mineral nicht nur bei Kindern sehr beliebt. Das Mineral ist sehr gut wasserlöslich (1020 g/l). Bei Kontakt kann es zu Verätzungen der Haut und der Schleimhäute kommen, weshalb es als sehr giftig eingestuft wird. Durch Hautkontakt können auch Chrom-Allergien ausgelöst werden. Es besteht die Gefahr ernster Augenschäden. Das Einatmen von Staub ist krebserregend und kann vererbbare Schäden verursachen.

Handhabung von Lopezit

Beim Hantieren mit Lopezit sollte auf das Tragen von Gummihandschuhen und einer Staubmaske nicht verzichtet werden. Es ist darauf zu achten, nicht mit kontaminierten Fingern in den Augen zu reiben und während der Arbeit nicht zu Essen oder zu Rauchen. Lopezit sollte stets in luftdicht verklebten Plastikboxen und unzugänglich für Kinder aufbewahrt werden.
Lopezit ist ein kräftiger Brandbeschleuniger. Deshalb sollte es von brennbaren Gegenständen ferngehalten werden. Im Brandfall muss den entstehenden giftigen Dämpfen durch spezielle Schutzkleidung  Rechnung getragen werden.
Wegen ihrer starken Giftigkeit für Wasserorganismen werden all Chrom(VI)verbindungen als stark wassergefährdend eingestuft. Konsequenterweise ist die Freisetzung in die Umwelt zu vermeiden. Gegebenenfalls sind Mineralstufen incl. Behälter nicht im Hausmül, sondern als gefährlicher Abfall zu entsorgen.

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