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Was ist Prasem ?

Der Begriff "Prasem" ist im deutschsprachigen Raum zum ersten Mal 1778 von Johann Friedrich Gmelin aus einer Übersetzung aus dem Lateinischen dokumentiert. Der Name stammt aus dem lateinischen prasinus »lauchgrün«, ein Begriff, der wiederum vom griechischen práson »Lauch« abgeleitet wurde. Der Begriff "Prasem" ist also ursprünglich eine Farbbezeichnung.

Um herauszufinden, welche Farbe mit diesem "lauchgrün" denn nun genau gemeint ist, müssen wir das Material betrachten, welches in der damaligen Zeit als Prasem zur Verfügung stand. Eine der alten Lagerstätten liegt in Griechenland auf der Insel Serifos. Möglicherweise waren auch die Fundstellen auf der italienischen Insel Elba schon bekannt. Bei den dort vorkommenden lauchgrünen Quarzen sind Einschlüsse der grünen Amphibolmineralen Aktinolith und/oder Hedenbergit für die Farbe verantwortlich. Bei anderen Fundstellen kommt auch aktinolithische Hornblende in Frage. Das ist aber nicht sicher geklärt. Da  Aktinolith, Hedenbergit und Hornblende alle zur Amphibolgruppe gehören und chemisch sehr nahe verwandt sind können wir festhalten, dass allen diesen Quarzen gemeinsam ist, dass ihre Farbe durch grüne Mitglieder der Amphibolgruppe verursacht wird.

Das ist das Maß, an dem sich die heute im Handel angebotenen, unterschiedlichen "Prasem"-Sorten messen lassen müssen.

Fazit:
Der Begriff "Prasem" war ursprünglich eine Farbbezeichnung für grünen Quarz. Wir würden ihn heute vielleicht als "Grünquarz" bezeichnen, weshalb die Definition: "Prasem ist eine Art von Grünquarz", nicht falsch ist. Alle echten Prasem können generell auch als "Grünquarz" bezeichnet werden.

Der Umkehrschluss gilt jedoch NICHT: Nicht alle Grünquarze können als "Prasem" bezeichnet werden. Neben der Farbe sind nämlich auch die farbgebenden Einschlüsse ein wesentlicher Bestandteil der Definition von Prasem-Quarzen. Die vollständige Definition lautet:
Prasem ist ein (lauch-) grüner Quarz (Grünquarz), dessen Farbe durch Einschlüsse von grünen Amphibolmineralen hervorgerufen wird.
Neben den schon erwähnten antiken Fundstellen in Griechenland (Sefios) und Italien (Elba), die diese Definition erfüllen, sind heutzutage auch Fundstellen in Frankreich, Spanien und den USA bekannt.

 

alternative Gesteine, die irrtümlich als Prasem im Handel sind

 

In den letzten Jahren hat das EPI-Labor Gesteine, die unter dem Namen "Prasem" angeboten wurden, systematisch analysiert.

2014 untersuchten wir Material aus Südafrika und fanden zu unserer Überraschung, dass das damals untersuchte Gestein nicht einmal Quarz enthielt, geschweige denn grüne Amphibolminerale. Stattdessen fanden wir Feldspat und grüne Schichtsilikate (Fuchsit, Klinochlor). Die Mineralparagenese entspricht einem metamorphen Gestein, das in der Geologie als Grünschiefer bezeichnet wird (Handelsname: »Budstone«). (Lesen Sie hier unseren Artikel über Budstone (Grünschiefer).

2017 analysierten wir grüne Quarze aus Australien, die ebenfalls als Prasem vermarktet werden. Hier fanden wir tatsächlich eine beträchtliche Menge Quarz mit einem kleinen Anteil Fuchsit-Glimmer. Solche Gesteinszusammensetzung kennen wir bereits aus anderen Gegenden der Welt. Aus Indien kommt ein Quarzgestein mit grünen Fuchsit-Glimmerplättchen, die auffällig glitzern. Dieser Lichteffekt wird „Aventurisieren“ genannt – entsprechend heißt dieser glitzernde Quarz: „grüner Aventurin-Quarz“.
Aus Brasilien, dem Ural und Südafrika kommen Qualitäten, die nicht glitzern. Da Ihnen der Lichteffekt des Aventurisierens fehlt, werden Sie als „Grünquarz“ oder „Fuchsit-Quarz“ bezeichnet. Das Material aus Australien entspricht dieser Qualität. Da es nicht glitzert muss es als Fuchsit-Quarz (oder alternativ: Grünquarz) angesprochen werden.

 

Lit: Des Ritters Carl von Linné vollständiges Natursystem des Mineralreichs, nach der zwölften Lateinischen Ausgabe. In einer freyen und vermehrten Übersetzung von J. F. Gmelin. 4 Teile, Gabriel Nicolaus Raspe, Nürnberg 1777–1779

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