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Buchkritik "Wasser & Salz"

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Peter Ferreira & Barbara Hendel, Ina Verlags GmbH, Herrsching 2000, 232 Seiten, ISBN 3-00-008233-6

Die beiden Autoren haben sich die Arbeit sinnvoll aufgeteilt. Barbara Hendel schrieb den Teil Wasser", Peter Ferreira den Teil "Salz". Gewinnt man in der vorderen Hälfte des Buches, das dem Thema Wasser gewidmet ist, noch den Eindruck, hier schreibt eine kompetente Fachfrau, so verschwindet dieser Eindruck im Kapitel Salz zunehmend. Die Grundannahme im Kapital Salz wird auf S. 83 postuliert: „Im natürlichen Kristallsalz finden wir alle Elemente vor, aus denen der menschliche Körper aufgebaut ist. Aus den Periodensystem kennen wir 92 natürliche Elemente. Alle diese Elemente sind mit Ausnahme der Edelgase indem hier beschriebenen Kristallsalz nachweisbar. Das Kristallsalz enthält also sämtliche >Mineralien< (wie das denn nun?) und Spurenelemente aus denen der menschliche Körper besteht".

Vergleicht man diese Aussage mit den Analyseergebnisse auf S. 121, so fällt auf das von den 92 dort aufgelisteten Elementen - incl. Uran und Plutonium - ganze 39 einen Gehalt von < 0,001 ppm (ppm = parts per million) haben. Vor dem Hintergrund, dass die Nachweisgrenze der benutzten Flammenspektrometrie (FSM) bei genau diesen 0,001 ppm liegt, bedeuten das, dass die betreffenden Elemente mit der angegebenen Methode nicht nachgewiesen werden konnten. Ähnlich ist es mit insgesamt 6 Elementen mit einem Gehalt < 0,01 ppm, die mit der Atom­Absorptionsspektrometrie (AAS) „nachgewiesen" wurden. Bei dieser Methode liegt die Nachweisgrenze genau bei 0,01 ppm. Tatsächlich nachgewiesen wurden demnach gerade mal die Hälfte der Elemente!

Das wäre nicht weiter tragisch, wenn auf der Behauptung, dass im Salz alle Elemente vorhanden sind, die auch im menschlichen Körper vorkommen, nicht ein Konstrukt an Thesen, Annahmen und Ableitungen aufgebaut würde, die alle nur das eine Ziel haben: die Bedeutung und Wichtigkeit von Salz und insbesondere des sogenannten "Himalaya Salzes" zu glorifizieren. „Eine solche kristalline Sole stellt ein wahres Energiemeer dar" (S. 100). - Zyniker behaupten schon, das träfe auch bald auf das ehemalige Salzbergwerk Asse zu, das seit 1995 in Dewutschland als atomares Endlager dient - aber dies ist ein anderes Thema.

Den Autoren mag diese Tatsache wohl nicht ganz entgangen sein, stellen sie doch im folgenden zunächst eine glasklare Definition auf: „Unter Kristallsalz verstehen wir also grundsätzlich immer die Gesamtheit aller natürlichen Elemente", um sie im nächsten Satz wieder zurückzunehmen: „Diese Ausdrucksweise mag chemisch nicht ganz korrekt sein, trotzdem werden wir Sie im weiteren fortführen. Denn die mengenmäßige Verfügbarkeit aller natürlichen Elemente in Kristallsalz ist biophysikalisch an dieser Stelle nicht von Bedeutung". Solche pseudowissenschaftlichen Bemerkungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das ganze Kapitel und erzeugen, gelinde gesagt, einen "unangenehmen Beigeschmack".

Es steht außer Zweifel, dass Salz für unser körperliches und seelisches Gleichgewicht von großer Bedeutung ist. Hier aber wird eine Substanz zunächst über alle Maßen glorifiziert, um den Leser dann auf den Umstand aufmerksam zu machen, dass Salz nicht gleich Salz ist. Und nun wird es interessant. Die Unterscheidung des denaturierten Kochsalzes, von Natursalz ist gut und wichtig. Meersalz wird mit der Bemerkung: „... hat heute nicht mehr den gleichen positiven Effekt auf unsere Gesundheit wie früher" (S. 100) aus dem Rennen geworfen. Bleibt noch das Steinsalz.

Aber halt, nicht irgendein Steinsalz, sondern besonderes Kristallsalz muss es sein. Die nun folgende Unterscheidung zwischen Steinsalz und einen Kristallsalz ist abstrus. Hier wird mit den Begriffen Kristall und Stein im Zusammenhang mit Salz jongliert, dass einem ganz schwindlig wird. Da ist von „übergeordneten natürlichen Ordnungszuständen" die Rede, „von resonanten Wirkungen der geometrischen Strukturen" und von „natürlich perfekter Symbiose aller beteiligter Elemente".

Das mündet in der Behauptung: „Die in Steinsalz enthaltenen Elemente haben nicht genügend Druck erfahren und sind somit nur teilweise und geringfügig in das Kristallgitter des Salzes eingebunden. Sie sind zu grobstofflich, um in unsere Zellen aufgenommen werden zu können". „Erst durch Druck werden die Elemente in eine spezifische Teilchengröße gebracht, sodass sie in einem ionalen bzw. kolloidalen Zustand übergehen" (S. 101). Und dieser Druck führte zur Bildung von Adern besonders reinen (!) Salzes (wie war das noch mal mit "allen Elementen"?). Kristallsalz eben. „Kristallsalz kristallisiert in den Bereichen, wodurch entsprechenden Druck kristalline Strukturen entstehen konnten". Wieso sich der Druck nur auf schmale Adern im Salzberg auswirkt und rechts und links davon nicht, diese Antwort bleiben uns die Autoren leider schuldig.

Aber noch sind wir nicht am Ende des Pfades, auf den uns der für den Salzbereich zuständige Autor führen will. Denn auch nicht jedes Kristallsalz entfaltet die versprochene Wirkung. Nur das handgebrochene Kristallsalz aus dem Himalaja bietet die versprochene heilsame Wirkung. Ausdrücklich distanziert man sich von „kristallisiertem Steinsalz" oder „Mischungen" wie sie angeblich aus Polen und anderswo herkommen. Warnungen werden ausgesprochen vor den Konkurrenzprodukten und konsequenterweise findet man im Anhang des Buches auch Bezugsadressen für das „echte Kristallsalz". Damit mutiert der Teil des Buches, der dem Salz gewidmet ist, endgültig zu einem aufwendig gestalteten Verkaufsprospekt.

Autor: Bernhard Bruder

 

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