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Eclipse / Bumblebee Stone (Calcit mit Arsensulfiden)

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Die Geschichte dieses als Schmuckstein angebotenen Gesteins ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich Handelsnamen innerhalb weniger Jahre verändern und wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die mineralogische Zusammensetzung immer besser werden.

Kennengelernt haben wir dieses gelb-grau marmorierte Gestein unter dem Handelsnamen "Eclipse". Offenbar fühlte sich der Erfinder dieses Namens bei der Betrachtung des Gesteins an eine Sonnenfinsternis (engl. eclipse = Verdunkelung) erinnert. Erste Veröffentlichungen beschrieben es als "ein mit dünnsten Schichten von Schwefel und Auripigment durchsetzter Aragonit-Sinter aus Bali/Indonesien (NIEDERMAYER 2010). Es stellte sich heraus, dass das Material aus einem Fumarolenfeld nahe der Stadt Garut auf der indonesischen Insel Java stammt (SERRAS-HERMAN 2013).

Der Handelsname "Eclipse" hat sich nicht durchgesetzt. Im englisch sprachigen Raum wird das Gestein als "Bumble Bee Jasper" (dt.: "Hummel-Jaspis") oder "Mustard Jasper" (dt.: "Senf-Jaspis") angeboten.

Untersuchungen des EPI-Labors konnten belegen, dass es sich keineswegs um einen Jaspis handelt, sondern um ein Gestein, das im Wesentlichen aus Calcit besteht. In den grauen Bereichen des Calcits sind winzigen Pyrit-Kriställchen (FeS) eingelagert, die zur dunklen Farbe beitragen. In Untersuchungen der Universität Freiberg konnten in den goldgelben bis orangefarbenen Bereichen das Arsenmineral Realgar (As4S4) nachgewiesen werden, eine Verbindung der Elemente Arsen und Schwefel (Arsensulfid). Das chemisch nahe verwandte Arsenmineral Auripigment (As4S6) konnte hingegen nicht nachgewiesen werden. Das bedeutet nicht, dass es nicht vorhanden ist, es konnte nur nicht nachgewiesen werden. In früheren Publikationen (NIEDERMAYR, G. , 2010) wurde angenommen, dass die gelbe Farbe durch Auripigment hervorgerufen wird, was eigentlich stimmiger wäre, da Auripigment eine gelb-orange Farbe besitzt, wohingegen Realgar eher von rot-oranger Farbe ist. Möglicherweise wird die gelbe Farbe von den anderen Arsensulfiden verursacht, auf deren Vorhandensein die Daten der Universität Freiberg hindeuten, die jedoch nicht explizit bestimmt werden konnten (GÖTZE et al. 2014). Aufgrund dieser Erkenntnisse lautet die vorläufige mineralogische Bezeichnung für dieses Gesteins: REALGAR-CALCIT.

Realgar ist wie alle Arsensulfide unter bestimmten Bedingungen giftig.

Gefahrenpotential von Arsensulfiden wie Realgar und Auripigment

Arsensulfide sind schwer wasserlöslich und daher in reinem (!), gut kristallisierten (!) Zustand für den menschlichen Körper auch beim Verschlucken nicht giftig. Sie sind in Säuren schwer löslich und werden von der Magensäure nicht zersetzt. Staub oder Pulver hingegen sind giftig (krebserregend) beim Einatmen und Verschlucken und sehr giftig für Wasserorganismen. In der europäischen Union (EU) müssen deshalb nach der derzeit gültigen Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen (CLP-Verordnung) alle Arsensulfide als gesundheitsschädlich deklariert werden:

CLP Eclipse

Achtung:

Realgar Kristalle können an der Luft zu giftigem Arsenolith zerfallen. Sie sollten deshalb stets in gut versiegelten Plastikdöschen aufbewahrt werden.

Arsensulfide wie z.B. Realgar können in der Luft unter Lichteinwirkung allmählich oxidieren und in das hochgiftige Arsen (III) oxid (As2O3) Arsenolith ("Arsenik") zerfallen. Möglicherweise sind die altdeutschen Bezeichnungen "Rauschrot" für Realgar beziehungsweise "Rauschgelb" für Auripgment auf die toxische Wirkung des Zersetzungsproduktes Arsenolith zurückzuführen. Arsen (III) oxid ist eines der giftigsten Mineralstoffe, die wir kennen und findet auch heute noch als Rattengift Verwendung. Es wirkt krebserregend und ist für viele Lebewesen schädlich. Die oral aufgenommene, tödliche Dosis kann für den Menschen bereits bei weniger als 0,1 g liegen.

Aus diesem Grund gelten alle Arsensulfide als potentiell hochgiftig und umweltschädlich und unterliegen strengsten Sicherheitsbestimmungen.
Das Gestein sollte unter gar keinen Umständen in Kinderhände gelangen und nicht mit anderem Schmuck zusammen aufbewahrt werden.

 

"Bumblebee Stone" im Handel

Da das Gefahrenpotential bei der Bearbeitung von Realgar hinreichend bekannt ist, sollte der zu Schmuckzwecken verwendete Realgar-Calcit vor der Verarbeitung entweder A) in Kunstharz eingebettet ("stabilisiert") oder B) während des Schleifens mit Kunstharz imprägniert werden. Es ist dann vor dem Kontakt mit Luftsauerstoff und dem Zerfall zu Arsenolith weitgehend geschützt (im Falle A besser als im Falle B). Bei sachgerechtem Umgang, ist eine Arsen-Kontamination durch Realgar-Calcit Schmuck weitestgehend ausgeschlossen. Beide Behandlungsmethoden sind jedoch unmissverständlich zu deklarieren. Bei fehlender Deklaration (z.B. "stabilisiert" oder "imprägniert mit Kunstharz") ist davon auszugehen, dass dass es sich um porenoffene Ware handelt, die mit Luftsauerstoff reagieren kann.

Produzenten und Umweltschutz

Wir möchten zu bedenken geben, dass die Steine - selbst wenn sie später stabilisiert werden - erst einmal gebrochen, transportiert, gelagert und zugeschnitten werden. Der dabei entstehende toxische Staub kann über die Atemwege aufgenommen werden. Nach unseren Informationen werden diese Arbeiten von Menschen verrichtet, die keinerlei Schutzkleidung oder Atemschutz tragen.

Außerdem fallen bei der Bearbeitung sowohl des unbehandelten als auch des mit Kunstharz durchtränkten (stabilisierten) Rohmaterials mit Arsen kontaminierte, umweltschädliche Schleifwässer und Schleifschlämme an, deren fachgerechte Entsorgung nicht gewährleistet ist.


Empfehlung:

Kaufen Sie "Eclipse" oder "Bumblebee-Stone" nur, wenn er als "stabilisiert" deklariert ist und bewahren Sie ihn von anderen Schmuckstücken gesondert auf. Bringen Sie zerbrochene Stücke und nicht mehr benötigte Exemplare (ähnlich wie funktionsuntüchtige Energiesparlampen) zu Ihrem regionalen Entsorger für Sondermüll.

Literatur

GÖTZE, J., MAVRIS, C., MÖCKEL, R. (2014): "Bumble Bee Jasper" - Jaspis oder nicht? - Mineralienwelt 3, 88-91
NIEDERMAYR, G. (2010): Neues Schmuckmaterial mit Schwefel und Auripigment aus Bali - Gemmo News der ÖGemG, 28, 3
SERRAS-HERMAN, H. (2013): Bumble Bee "Jasper" - A colorful volcaric lapidary materia. Rock & Gem 43 (8), 1-4.

Lesen Sie zu diesem Thema auch unsere Artikel über weitere giftige Minerale.

 


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder © INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI) 2014

 

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