Feldspatfamilie
Feldspat ist ein Überbegriff für eine ganze Familie von aluminiumhaltigen Silikaten. Chemisch unterscheiden sich die einzelnen Mitglieder dieser Familie vor allem durch ihren unterschiedlichen Gehalt an Natrium (Na), Calcium (Ca) und Kalium (K).

Kalifeldspäte
Kalifeldspäte treten in 3 verschiedenen Modifikationen auf, die sich durch ihre Kristallstrukturen und Bildungstemperaturen unterscheiden.
| Modifikation | Kristallsystem | Mineralname | Varietät |
| Hochtemperatur | monoklin | Sanidin | |
| Tieftemperatur | monoklin | Orthoklas | - Adular
- Goldorthoklas - Orthoklas-Mondstein - Orthoklas-Amazonit |
| Tieftemperatur | triklin | Mikroklin | - Mikroklin-Amazonit
- Mikroklin-Mondstein |
Sanidin
Der monokline Sanidin, entsteht bei Temperaturen über 600°C. Hochtransparente Exemplare, die typischerweise eine schwach rauchgraue Farbe besitzen, werden hin und wieder facettiert. Sie können dann leicht mit Rauchquarz verwechselt werden.
Mikroklin
Bei tiefen Temperaturen entsteht der trikline Mikroklin. Eine grüne, bleihaltige Farbvarietät ist unter dem Handelsnamen Amazonit bekannt. Der undurchsichtige bis schwach durchscheinende Schmuck- und Dekorstein kommt feinkörnig mit homogener Farbverteilung in den Handel oder grobkörnig mit vielen weißen Rissen, die dem Stein ein attraktives gesprenkeltes Aussehen geben. Verwechslungsgefahr besteht mit grünlichem Chalcedon.
Orthoklas
Ebenfalls bei tiefen Temperaturen, aber unter etwas anderen Bildungsbedingungen entsteht der monokline Orthoklas (= “der rechtwinklig Brechende”). Gelbe Varietäten werden als Gold-Orthoklas bezeichnet. Er kann leicht mit Citrin verwechselt werden. Im Gegensatz zum Orthoklas hat Citrin jedoch einen muschelartigen, rundlichen Bruch. Mitunter wird Gold-Orthoklas durch gelbes Glas imitiert. Eine farblose und glasklare Varietät von Orthoklas heißt Adular. Nach dieser Varietät ist der typische Lichtschein bei Mondsteinen, das Adularisieren, benannt.
Plagioklase
Plagioklas ist ein Sammelname für die Feldspäte der Albit-Anorthit Mischkristallreihe.
Die Mitglieder dieser Mischkristallreihe werden nach ihrem Calcium Gehalt unterteilt.
| Mineralname | Calciumgehalt |
| Albit | 0 - 10 Mol% |
| Oligoklas | 10 - 30 Mol% |
| Andesin | 30 - 50 Mol% |
| Labradorit | 50 - 70 Mol% |
| Bytownit | 70 - 90 Mol% |
| Anorthit | 90-100 Mol% |
Albit
In reinem Zustand ist Albit farblos. Durch Entmischung von Kalifeldspat kann aber auch ein attraktiver Mondstein mit gelblicher und grünlicher Körperfarbe entstehen.
Oligoklas
Stark glitzernder, orangebrauner Oligoklas ist unter dem Namen Sonnenstein oder Aventurin-Feldspat bekannt.
Der Beiname Aventurin weist auf den typischen Glitzereffekt hin, dem Aventurisieren. Sonnenstein muss also glitzern, sonst ist es kein Sonnenstein!
Die Ursache für diesen Effekt sind feinverteilte Hämatit-Plättchen, an denen das Licht reflektiert wird.
Larvikit ist ein wenig bekanntes oligoklashaltiges Gestein. Die Entmischung von winzigen Körperchen von Kalifeldspat, ist die Ursache für einen blauen labradorisierenden Flächenschiller. Das Material wird vor allem zu Dekorsteinen und Fußbodenbelägen verarbeitet.
Labradorit
Labradorit ist der Harlekin unter den Feldspäten. Sein Farbenspiel, das von goldgelb über grün bis violett reichen kann, entsteht durch die Reflexion des Lichtes an mikroskopisch dünnen Lamellen im Kristall. Der so entstehende Effekt, das Labradorisieren, ist die Folge der sogenannten Böggild-Mischungslücke. Möglicherweise tragen auch Zwillingslamellen zu diesem Effekt bei. Labradorit, der das ganze Farbspektrum zeigt, nennt man Spektrolith.
Eine relativ neu entdeckte Labradorit-Varietät ist der sogenannte Oregon-Sonnenstein. Mit einem Calciumanteil von nahezu 70% liegt seine chemische Zusammensetzung genau an der Grenze von Labradorit und Bytownit. Er wird in den Farben rot, gelb und grün gefunden. Sein aufregendes Glitzern erhält er durch metallische Kupferplättchen.
Lichteffekte bei Feldspäten
Adularisieren (Mondsteine)
Der Natrium-Feldspat Albit kann sowohl mit Kalifeldspat (mit den 3 Modifikationen Sanidin, Mikroklin und Orthoklas), als auch mit dem Calcium-Feldspat Anorthit Mischkristalle bilden. Bei Temperaturen über 600°C sind alle Mischungsverhältnisse möglich, deshalb spricht man hier von einer kontinuierlichen Mischkristallreihe zwischen Albit und Kalifeldspat (Sammelname: Alkalifeldspäte), sowie zwischen Albit und Anorthit (Sammelname: Plagioklase). Bei sinkender Temperatur nimmt diese Fähigkeit Mischkristalle zu bilden stark ab. Es entstehen immer größer werdende Bereiche, in denen die Feldspäte nicht mehr mischbar sind (sogenannte Mischungslücken). Fällt die chemische Zusammensetzung eines bei hohen Temperaturen entstandenen Mischkristalls bei sinkenden Temperaturen in den Bereich einer Mischungslücke, so beginnt er sich zu entmischen. Es entstehen spezielle räumliche Strukturen in Form kleiner paralleler Spindeln oder Lamellen, an denen sich das Licht bricht.
Haben die spindelförmigen Strukturen die richtige Größe, so streuen sie das Licht als diffusen Lichtschein zurück. Dieser als Adularisieren bezeichnete Effekt macht aus einem gewöhnlichen Feldspat einen Mondstein. Größere Spindeln erzeugen einen weißen Lichtschimmer, kleinere den begehrten Blauen. Mondsteine mit blauem Lichtstreifen werden höher bewertet, als solche mit weißem, Steine mit dunkler Körperfarbe höher als helle. Der Lichtschein tritt vor allem bei Kalifeldspäten auf, ist aber auch bei Plagioklasen bekannt.
Mondstein wird durch synthetischen Spinell, gebrannten Amethyst oder bläulich schimmerndes Kunstglas imitiert.
Labradorisieren (Labradorite)
Wird das Licht nicht an spindelförmigen, sondern an lamellenartigen Entmischungskörpern gebrochen, so entsteht ein buntes Farbenspiel, das Labradorisieren.
Es wird oft mit dem Adularisieren verwechselt. Häufig wird z. B. weißer, durchsichtiger Labradorit-Feldspat mit bläulichem und gelblichem Farbenspiel als (Regenbogen-) Mondstein angeboten. Bei genauem Betrachten des Steines sind die Unterschiede aber auch für den Laien gut erkennbar. Der Schimmer eines Mondsteins besteht immer nur aus einer einzigen Farbe. Bei rundlich geschliffenen Steinen tritt er als seidig glänzender Streifen auf, niemals als bunt schillernde Fläche.
Ein farbloser Labradorit, der durch nadelige Einschlüsse fast schwarz wirkt, wird als “schwarzer Mondstein” oder “Mondstein-Katzenauge” angeboten. Bei rundlich geschliffenen Steinen zeigt sich zwar ein blauer Lichtstreifen, der jedoch nicht durch Adularisieren entsteht, sondern durch Chatoyance.
Chatoyance (Katzenaugen-Effekt) hat seine Ursache in feinfaserigen gleichgerichteten Mineraleinschlüssen (z.B. Quarz-Katzenauge) oder dünnen, parallelen Hohlkanälen (z. B. Turmalin-Katzenauge) an denen das Licht reflektiert wird. Deshalb ist die Bezeichnung Mondstein hier nicht angebracht. Tatsächlich handelt es sich nämlich um Labradorit-Katzenaugen.
Aventurisieren (Aventurin-Feldspäte, Sonnenstein)
Der als Aventurisieren bekannte Glitzereffekt wurde bisher nur bei Oligoklas und Labradorit gefunden.
Als Imitation dient ein Kunstglas, das winzige Kupferpartikel enthält, die das Glitzern der Hämatit Einschlüsse nachahmen sollen. Dieses Glas wird Goldfluss, Goldstein oder Aventuringlas genannt. Unter diesen Namen wird es fälschlicherweise mitunter auch als echter Stein angeboten.
© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 2008









