Welcher Heilstein ist das?

Ein Bestimmungsbuch und Nachschlagewerk zu 140 Heilsteinen und 350 Varietäten. 960 Farbfotos
Autoren: Michael Gienger & Bernhard Bruder
Im Frühjahr 2009 überraschte der Kosmos-Verlag mit dem Werk „Welcher Heilstein ist das?" sowohl die eigene Stammkundschaft als auch die eingefleischten Fans der beiden Autoren Michael Gienger („Die Steinheilkunde" u.a.) und Bernhard Bruder („Geschönte Steine"). „Seit wann gibt es Heilsteine-Bücher bei Kosmos?" fragten die einen, „Was bringt dieses Werk Neues?" die anderen.
Dass es nun Heilsteine-Bücher bei Kosmos gibt, ist maßgeblich Michael Gienger zu verdanken, denn kaum jemand arbeitet seit über zwei Jahrzehnten so eisern daran wie er, die Steinheilkunde zu einem seriösen Naturheilverfahren zu entwickeln. Das wird neuerdings honoriert: Medizinische Verlage klopfen inzwischen ebenso an seine Tür wie der naturkundlich orientierte Kosmos-Verlag. Dass das neue Werk aber tatsächlich auch Neues zu bieten hat, daran ist maßgeblich Bernhard Bruder beteiligt, der zweite im Bunde. Als erfahrener Mineraloge und Geschäftsführer des gemmologischen Instituts für Edelstein Prüfung (EPI) recherchiert er, ebenfalls wie kaum ein anderer, seit über einem Jahrzehnt speziell die mineralogisch-gemmologischen Daten von Heilsteinen. Eine dringend notwendige Maßnahme bei einem Heilsteine-Markt, der so aktiv ist, dass Steine schneller in den Handel kommen, als die Wissenschaft ihnen Namen geben kann (so z.B. bei den „EIdariten" Nebulastein und Kabambastein).
Seiner mit Unterstützung des Schweizer Geologen Dr. Andreas Stucki durchgeführten Recherche ist zu verdanken, dass das vorliegende Werk mit etlichen mineralogischen Überraschungen aufwarten kann.
Wenn sich gleich zwei kluge Köpfe zusammentun, darf man gespannt sein! Doch was bietet „Welcher Heilstein ist das?" tatsächlich Neues?
Zunächst einmal ist das Buch ein Kosmos-typisches „Bestimmungsbuch für Heilsteine", wobei man die „Heilsteine" herausstreichen muss. Es ist kein Bestimmungsbuch für „Mineralien" oder „Gesteine", da es sich nicht in erster Linie natürlichen Fundstücken widmet, sondern den überwiegend rundpolierten oder geschliffenen „Heilsteinen". Für diese mussten die Autoren jedoch einen eigenen „Bestimmungsschlüssel" entwickeln, da viele mineralogische Bestimmungsmethoden (Spaltbarkeit, Verhalten in der Flamme bzw. gegenüber Säuren) nicht „zerstörungsfrei" sind.
Allein mithilfe der Farbe, dem spezifischen Gewicht, der Ritzhärte (ein kleiner Ritz ist oft akzeptabel), einem kleinen Foto und einer ausgefeilten Beschreibung ist es den Autoren gelungen, 350 Varietäten von 140 Heilsteinen präzise zu differenzieren. So etwas ist bislang einzigartig! 40 Seiten des Buchs sind diesem Bestimmungsteil gewidmet, der natürlich seine Grenzen hat (wie die meisten mineralogischen Bestimmungsbücher auch), da in einem Taschenbuch niemals alle Varietäten in jeder bekannten Erscheinungsform Platz haben. Die Auswahl der 140 besprochenen Heilsteine mit ihren 350 Varietäten wurde jedoch so getroffen, dass 95% der gängigen Heilsteine tatsächlich beschrieben sind.
Im darauf folgenden, 160 Seiten umfassenden Teil werden alle diese Steine in einer knappen, jedoch erstaunlich inhaltsreichen Weise besprochen. Hier fällt zunächst die üppige Ausstattung mit Fotos auf. Jeder Heilstein wird einerseits mit einem großen, meist qualitativ hervorragenden Foto charakteristisch dargestellt und zugleich zeigen kleine Abbildungen in der Randspalte die verschiedenen Varietäten. Stolze 960 Farbfotos haben daher in das Buch Einzug gehalten - und erstaunlicherweise Platz für etwas Text gelassen.
Der Text ist ähnlich dicht gehalten wie die Fotos - nach dem Gienger'schen Motto: „Jedes Wort ein Treffer!" Tatsächlich ist es erstaunlich, wie es den Autoren gelingt, auf minimalem Platz stattliche Mineralfamilien wie die Feldspäte oder Zeolithe zu beschreiben und dabei wirklich alles Wichtige zu benennen. Es fühlt sich manchmal so an, als hätten die beiden Michael Giengers „Lexikon der Heilsteine" ohne Inhaltsverlust einfach kleingeschrumpft - und dabei zugleich noch durchgehend aktualisiert. Viele Angaben sind trotz weniger Worte genauer als in den früheren Werken Michael Giengers. So sind die Entstehungsweisen etlicher Heilsteine fundortspezifisch präzisiert, die typischen Farben der Steine wurden konkretisiert und das typische Erscheinungsbild jedes Steins wird in wenigen Worten recht treffend skizziert. Gerade für die Analytische Steinheilkunde ist dies wichtig. Wer sich mit ihr beschäftigt, bekommt mit dem vorliegenden Werk ein unersetzliches Update serviert. Überraschungen inclusive, wie z.B. das Kapitel „Serpentin" offenbart. Lediglich die steinheilkundlichen Beschreibungen bieten nur wenig Neues, wenn man das „Lexikon der Heilsteine" oder das kleine Verzeichnis „Heilsteine von A-Z" von Michael Gienger kennt. Ein paar Fakten sind neu, doch das Wesentliche ist bekannt. Für besondere Nuancen ist in durchschnittlich vier bis acht Zeilen einfach kein Platz und in ihren Grundeigenschaften hat sich bei den meisten Heilsteinen nichts gravierendes verändert. Wer daher nach ausführlichen steinheilkundlichen Darstellungen sucht, sollte nach wie vor besser zum Buch „Die Steinheilkunde" greifen.
Insgesamt kann das Buch „Welcher Heilstein ist das?" allen Menschen von Nutzen sein, die gelegentlich vor dem Problem stehen, ihre Heilsteine erneut identifizieren und ordnen zu müssen. Ebenso jenen, die sich ein ganzheitliches, Mineralogie und Heilkunde umfassendes,
Bild ihrer Heilsteine machen möchten und sich dabei ein tragbares, übersichtliches Buch wünschen (sprich: das Lexikon lieber zuhause im Regal stehen lassen). Doch insbesondere für all jene, die sich mit der Analytischen Steinheilkunde beschäftigen und präzise Angaben zu Fundorten und anderen Fakten benötigen oder die einfach hinsichtlich der mineralogischen Daten der Heilsteine auf dem neuesten Stand sein möchten, kann das besprochene Werk eine große Hilfe sein.