»Ozeanchalcedon« - Ein Name mit Geschichte

 

Ozeanchalcedon trägt seinen Namen zu Recht. Er ist in Meeressedimenten entstanden und wurde an der Meeresküste abgebaut (Foto: J. Sahlmann)

Radialstrahlige Chalcedon-Aggregate können sich auch zu achatartigen Strukturen verbinden. (Foto: EPI-Archiv)

»Ozeanchalcedon« ist in Europa erst seit wenigen Jahren bekannt. Das oft auffällig bunte Gestein stammt von der Nordwestküste Madagaskars aus dem Mahajanga-Becken, welches in der Kreidezeit (vor 65 - 130 Mio. Jahren) noch ein flaches Meeresbecken war. Vor ca. 100 Mio. Jahren kam es zu einer tektonischen Hebung des Gebietes und zu vulkanischen Aktivitäten, in deren Verlauf quarzreiche, hydrothermale Flüssigkeiten in die Kalk- und Tonsedimente eindrangen und Schichten und Gänge von Chalcedon bildeten.

Die primären Vorkommen nahe der Küste sind inzwischen weitgehend abgebaut. Ersatzmaterial aus der weiteren Umgebung zeigt meist nicht die typischen Merkmale von Ozeanchalcedon, sondern hat mehr Anteile an Jaspis und Nebengestein.

Die Handelsnamen für diese Chalcedon Varietät haben sich in der Vergangenheit immer wieder geändert und wurden mit zunehmendem Kenntnisstand immer präziser.

Ursprünglich wurde das Material vom Produzenten als "Oceanjasper", also als "Ozeanjaspis" angeboten. Dieser Name ist im englischsprachigen Raum auch immer noch gebräuchlich. Da neue und unbekannte Steine nicht selten fälschlicherweise als "Jaspis" bezeichnet werden, hat sich ein großer deutscher Importeur das Material genauer angeschaut und erkannt, dass es sich höchstens partiell um Jaspis handeln könne. Deutlich waren hingegen achatartige Strukturen zu erkennen, weshalb er beschloss, das Material als "Ozeanachat" anzubieten. Diese Namensgebung beruhte also auf einer makroskopischen Inaugenscheinnahme des Materials.

Einige Zeit später wurde das Gestein von Dr. W. Lieber aus Heidelberg mit Hilfe von Gesteinsdünnschliffen mikroskopisch untersucht. Er fand heraus, dass es sich bei dem Material um Chalcedon handelt, der partiell in radialstrahligen, kugeligen Strukturen auskristallisiert ist. Da solche kugeligen Strukturen in der Mineralogie "Sphärolithe" genannt werden, bezeichnete er das Material als "sphärolithischen Chalcedon".

 

Das varietätstypische Merkmal von Ozeanchalcedon sind die runden Strukturen, die Sphärolithe. Wenn sie fehlen, kann niemand einen Ozeanchalcedon als solchen erkennen. (Foto: K. Sieber)

 

Diese runden oder radialstrahligen Strukturen, die oft in eine lebhaft strukturierte Matrix eingebettet sind, stellen das varietätstypische Merkmal dieser Art von Chalcedon dar.

Nachdem die mineralogische Zusammensetzung geklärt war, wurde der Handelsname "Ozeanchalcedon" immer populärer. Aber auch der Name "Ozeanachat" ist nicht ganz von der Hand zu weisen, da zwischen den sphärolithischen Strukturen immer wieder Bereiche auftreten, die eine Art Achatbänderung zeigen. Der Handelsname "Ozeanjaspis" sollte jedoch vermieden werden, denn mit Jaspis hat dieser Schmuckstein wenig gemeinsam. Die genaueste Art, dieses Material zu bezeichnen ist: "Ozeanchalcedon (Ozeanachat)".

Die Zukunft wird zeigen, welcher Name sich letztendlich durchsetzen wird. Unverzichtbar für die Ansprache als Ozeanchalcedon (Ozeansachat) sind jedoch die varietätstypischen sphärolithischen Strukturen, die immer und auf jeden Fall vorhanden sein müssen. Dieses wichtige Kriterium erfüllt das Material, das in letzter Zeit aus Madagaskar kommt, zunehmend weniger. Hier ist ein kritisches Auge gefragt: Nur da wo Sphärolithe drin sind, sollte Ozeanchalcedon draufstehen.

Detaillierte Informationen zu diesem Gestein finden Sie in unserem Newsletter-Archiv.

 

 

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