Magnesit - ein vielseitiger Schmuckstein

 

Das Magnesiumcarbonat Magnesit [MgCO3] tritt meist gesteinsbildend in großen Massen oder in knolligen Aggregaten auf. Die am häufigsten anzutreffende Farbe ist Weiß oder Grau, seltener Beige (Handelsname: »Ivoryit«) oder Grün. Grau-weißer Magnesit mit einem grobkristallinen Wachstumsgefüge mit "Eisblumentextur", die in ihrer Form Pinienkernen oder Eisblumen ähnelt, wird als »Pinolit« oder »Eisblumenmagnesit« bezeichnet. Die Beimischung von Nickel ruft in Magnesit grüne Farben hervor. Dieser sogenannte »Nickelmagnesit« ist auch unter dem irreführenden Handelsnamen "Apfeljade" im Handel. Damit reiht er sich in die lange Reihe der Jadeimitationen ein, in der fast jedes grünes Gestein irgendwann einmal auftaucht. Ein gelbgrüner, teilweise verkieselter, nickelhaltiger Magnesit, der oft unter dem irreführenden Handelsnamen »Zitronenchrysopras« angeboten wird, ist richtiger als »Zitronenmagnesit« zu bezeichnen.

Magnesit ist mit dem Calciumcarbonat Calcit [CaCO3] in jedem Mischungsverhältnis mischbar und bildet eine sogenannte kontinuierliche Mischkristallreihe. Calcium-Magnesium-Carbonate mit einem Mischungsverhältniss von 30 - 70% Mg werden als Dolomit bezeichnet.

Dolomit ist selten gut kristallisiert. Meist tritt er als derbes, undurchsichtiges Dolomit-Gestein in beigen, rotbraunen, gelben, schwarzen und weißen Farben auf. Gerät das Gestein in größere Tiefen, so reagiert es auf die Druck- und Temperaturveränderungen indem es umkristallisiert und aus einer Vielzahl von winzig kleinen Kristallen eine geringere Anzahl größerer, transparenterer Kristalle bildet. Dieses umgewandelte Dolomitgestein wird »Dolomit-Marmor« genannt. In einer schwarz-weiß gemusterten Variante trägt es den Handelsnamen »Zebra-Marmor«.

 

Pinolit (Eisblumenmagnesit)

Die Lagerstätte Sunk/Hohentauern in Steiermark (Österreich) ist weltweit bekannt für einen gesteinsbildenden Magnesit, mit typisch grobkristallinen Wachstumsgefüge ("Eisblumentextur"). Wegen dieser besonderen Textur, bei der große, helle Magnesitkristalle - die in ihrer Form Pinienkernen oder Eisblumen ähneln - in einer grauen, an anorganischem Pigment reichen, feinkörnigen Matrix eingebettet sind, wurde das Gestein als »Pinolit« (Pignolen = Pinienkerne) oder »Eisblumenmagnesit« benannt.
Diese spezielle Ausbildung der Magnesitkristalle entstand dadurch, dass beim Kristallwachstum Graphit und tonige Verunreinigungen verdrängt wurden und ein dunkles Intergranularnetz zwischen den oft cm-großen, hellen Magnesitkristallen formten. Große Pinolitkristalle können graphitische Bestandteile, Quarzkörner, Kiesflitter und Reste von Dolomit umwachsen.
Bis 1963 wurde das Gestein noch als Dekorgestein abgebaut und unter der Bezeichnung »Sunk« (dem Namen der Fundstelle) vermarktet, heute findet man es fast nur noch in kunstgewerblichen Gegenständen oder als Trommelstein.

 

Zitronenmagnesit (Nickel-Magnesit)

Als im Jahre 1996 erstmals größere Mengen dieses grünen Gesteins auf den Mineralienmessen in den USA auftauchten, wurde es als "Lemon-Crysoprase" (dt.: "Zitronenchrysopras") bezeichnet. Als Fundort wurde der Bereich der östlichen Goldfelder der Central Division Mine in Westaustralien angegeben.

Chemische und mineralogische Analysen ergaben, dass es sich um einen hellgrünen, zum Teil verkieselten Magnesit handelt, in dessen Rissen sich  dunkelgrüner Chrysopras (Nickel-Chalcedon) gebildet hatte. Da er in Form von Knollen und Adern in einem stark verwitterten Serpentinit auftritt, zeigten die Rohstücke oft einen äußeren Rand aus stark korrodiertem, bräunlichem Serpentin. Daran anschließend fanden sich schmale grüne, z.T. durchscheinende Bereiche, aus Chrysopras bzw. grünem Opal. Der Hauptteil jedoch bestand aus einem grünlich-gelben, undurchsichtigen Magnesit, der von durchscheinenden, dunkelgrünen Adern durchzogen war, welche aus Chrysopras bestanden. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist das Material jedoch nicht mit Gaspeit (Ni,Mg,Fe)CO3 gleichzusetzen, da ihm der notwendige Eisenanteil fehlt.

Seit der Jahrtausendwende ist die Nachfrage kontinuierlich gestiegen, sodass das ursprüngliche Material bald nicht mehr zur Verfügung stand. Bereits im Jahr 2004 beobachten wir eine divergente Entwicklung. Zunächst wurde gelbgrüner, nickelhaltiger Magnesit ohne Chrysoprasanteil vermarktet, nachfolgend dann ein beiger, fast weißer, verkieselter Magnesit ohne Nickel. Das Material stammt möglicherweise aus den Randbereichen der Abbaugebiete oder von verschiedenen Fundpunkten, die als Lake Rebecca, dem Bulong Komplex am Lake Yindarlgooda, bei Kambalda und Wingellina, sowie vereinzelte Fundpunkte nahe der Yundamindera Station angegeben werden.

Da dieses Material nicht (mehr) das charakteristische Aussehen und die chemische Zusammensetzung des ursprünglichen "Zitronenchrysopras" erfüllt, ist die im Markt verbreitete, hellgrüne Variante als Nickel-Magnesit (oder: "Zitronenmagnesit") und die weiß-beige Variante als "verkieselter Magnesit" zu bezeichnen.

 

Verwechslungsmöglichkeiten

Eine große Verwechslungsgefahr besteht mit dem Calcium-Silikat Howlith, das ähnlich wie Magnesit sowohl als kompaktes, weißes bis beige marmoriertes Aggregat, als auch als poröses, kreideartiges Gestein (Howlithknollen) vorkommt. Der weitaus größte Teil der als Howlith angebotenen Trommel- und Schmucksteine besteht aus Magnesit. Howlith und Magnesit lassen sich durch den Carbonattest unterscheiden. Eine kleine Probe pulverisierten Magnesits, welche am besten durch Kratzen mit einem harten Gegenstand hergestellt wird, reagiert mit 10%iger Salzsäure unter Bildung von Gasbläschen. Howlith hingegen reagiert nicht.

 

Imitationen

Imitationen für Magnesit existieren derzeit nicht. Das Mineral dient jedoch selbst als Imitation für undurchsichtige Schmucksteine wie Howlith oder (blau eingefärbt) für Türkis.

 


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI)

 

 

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