Giftige Minerale

 

Minerale sind auf natürliche Weise auskristallisierte, anorganische chemische Verbindungen. Viele dieser Verbindungen können auch industriell hergestellt werden. Der Verkauf dieser Industrieprodukte unterliegt der Chemikalienabgabeverordnung, die unter Anderem vorschreibt, dass giftige Substanzen gekennzeichnet werden und nur mit einem Sicherheitsdatenblatt versehen in den Handel gelangen dürfen.

Im Mineralienhandel ist ein entsprechendes Vorgehen bisher unüblich, weil Mineralien meist in einer anderen Form vorliegen, als die Industriechemikalien. Abhängig davon, ob sie als pulvrige Überzüge, gut kristallisiert oder als Einschlüsse in Wirtsmineralen vorkommen, entwickeln sie eine unterschiedlich starke Toxizität. Die Substanzen, die in der chemischen Industrie Verwendung finden, sind meist pulverisiert, wodurch sie eine erheblich größere Oberfläche besitzen als die kristallisierten Entsprechungen aus dem Mineralreich. Eine größere Oberfläche bedeutet eine größere Angriffsfläche für Lösungsmittel und damit ein größeres Potential vom menschlichen Körper aufgenommen zu werden.

Ein Gramm eines gut kristallisierten Minerals kann möglicherweise den Magen-Darmtrakt passieren ohne aufgelöst zu werden und Vergiftungserscheinungen hervorzurufen, wohingegen ein Gramm Mineralpulver möglicherweise toxisch wirken kann. Andererseits sind natürliche Mineralien selten so rein wie die Industrieprodukte. Durch eingelagerte Verunreinigungen oder durch Zerfallsprodukte kann es sowohl zu einer besseren Löslichkeit kommen als auch zu einem Aufsummieren der Gefahrenpotentiale der einzelnen vorliegenden chemischen Verbindungen.

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Eclipse / Bumblebee Stone (Realgar-Calcit)

 

Die Informationen auf dieser Seite sind aufgrund der uns vorliegenden Untersuchungen der chemischen und pharmazeutischen Industrie und Resultaten anderer Labore und Forschern zusammengestellt worden. Aus Sicherheitsgründen haben wir keine eigenen Untersuchungen an diesem Gestein vorgenommen.

Die Geschichte dieses als Schmuck- und Heilstein angebotenen Gesteins ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich Handelsnamen innerhalb weniger Jahre verändern und wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die mineralogische Zusammensetzung immer besser werden.

Kennengelernt haben wir dieses gelb-grau marmorierte Gestein unter dem Handelsnamen "Eclipse". Offenbar fühlte sich der Erfinder dieses Namens bei der Betrachtung des Gesteins an eine Sonnenfinsternis (engl. eclipse = Verdunkelung) erinnert. Erste Veröffentlichungen beschrieben es als "ein mit dünnsten Schichten von Schwefel und Auripigment durchsetzter Aragonit-Sinter aus Bali/Indonesien (NIEDERMAYER 2010). Später stellte sich heraus, dass das Material aus einem Fumarolenfeld nahe der Stadt Garut auf der indonesischen Insel Java stammt (SERRAS-HERMAN 2013).

Der Handelsname "Eclipse" hat sich nicht durchgesetzt. Im englisch sprachigen Raum wird das Gestein als "Bumble Bee Jasper" (dt.: "Hummel-Jaspis") oder "Mustard Jasper" (dt.: "Senf-Jaspis") angeboten.

Untersuchungen an der Universität Freiberg konnten belegen, dass es sich keineswegs um einen Jaspis handelt, sondern um ein Gestein, das im Wesentlichen aus Calcit besteht. In den grauen Bereichen des Calcits sind winzigen Pyrit-Kriställchen (FeS) eingelagert, die zur dunklen Farbe beitragen. In den goldgelben bis orangefarbenen Bereichen des Calcits konnte das Arsenmineral Realgar (As4S4) nachgewiesen werden, eine Verbindung der Elemente Arsen und Schwefel (Arsensulfid). Das chemisch nahe verwandte Arsenmineral Auripigment (As4S6), von dem angenommen wurde, dass es für die gelbe Farbe verantwortlich sei, konnte hingegen nicht nachgewiesen werden. Es gab jedoch Hinweise auf das Vorhandensein weiterer Arsensulfide, die nicht explizit bestimmt werden konnten (GÖTZE et al. 2014). Entsprechend dieser Erkenntnisse lautet der mineralogisch korrekte Name für dieses Gestein: REALGAR-CALCIT.

Realgar ist wie alle Arsensulfide unter bestimmten Bedingungen giftig.

Gefahrenpotential von Realgar

Realgar ist schwer wasserlöslich und daher in reinem, gut kristallisierten Zustand für den menschlichen Körper nicht giftig beim Verschlucken. Es ist auch in Säuren schwer löslich und wird deshalb von der Magensäure nicht zersetzt. EWG-Richtlinien zufolge sind jedoch Stäube und Pulver von Arsensulfiden giftig beim Einatmen und Verschlucken (R 23/25) und sehr giftig für Wasserorganismen. Realgar kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen erzeugen (R 50/53) und ist deshalb als Sondermüll zu entsorgen (S 60).

Zusätzliche toxikologische Hinweise:

Nach unserem derzeitigen Wissensstand ist die akute und chronische Toxizität von Realgar nicht gänzlich bekannt. Es liegen jedoch ausreichende Studien vor, die eine krebserzeugende Wirkung belegen:
EPA-A: Humankarzinogen: ausreichendes Beweismaterial aus epidemiologischen Studien für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Exposition und Krebs.
IARC-1: Krebserzeugend bei Menschen: ausreichendes Beweisresultat für karzinogene Wirkung.
NTP-1: Bekannt als karzinogene: ausreichendes Beweismaterial aus menschlichen Studien.
Nach OSHA als karzinogen eingestuft.
ACGIH A1: Nachweisliches Humankarzinogen: Agens ist krebserzeugend bei Menschen, basierend auf epidemiologischen Studien bzw. auf Grund zwingender klinischer Untersuchungsergebnissen bei exponierten Menschen.

 

Achtung:

Arsensulfide wie z.B. Realgar können in der Luft unter Lichteinwirkung allmählich oxidieren und in das hochgiftige Arsen(III)oxid Arsenolith ("Arsenik") zerfallen. Arsen(III)oxid (As2O3) ist eines der giftigsten Mineralstoffe, die wir kennen und findet als Rattengift Verwendung. Es wirkt krebserregend und ist für viele Lebewesen schädlich. Die oral aufgenommene, tödliche Dosis kann für den Menschen bereits bei weniger als 0,1 g liegen.

Aus diesen Gründen gelten alle Arsensulfide prinzipiell als hochgiftig und umweltschädlich und unterliegen strengsten Sicherheitsbestimmungen.

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